On-Demand-Fashion stellt eine vielversprechende Alternative zur Überproduktion dar, einem der größten Probleme der Modebranche. Als Experten für nachhaltige Mode erklären wir das Konzept, seine Vorteile und warum es nicht immer die ultimative Lösung ist.
Das Geschäftsmodell der Fast Fashion basiert auf massiver Überproduktion. Bei H&M, Zara, Mango und Co. stapeln sich die Kleidungsberge, da neue Kollektionen wöchentlich nachgeliefert werden. Trends von Straßen und Laufstegen werden rasch kopiert und günstig vermarktet. Die Herausforderung: Unternehmen müssen Produktionsmengen im Voraus schätzen, was oft zu unverkauften Ladenhütern führt.
Diese Überproduktion belastet Umwelt und Klima enorm, wie der Greenpeace-Report von 2021 belegt. Sie verursacht hohe CO₂-Emissionen und Ressourcenverschwendung. Nachhaltiger könnte die Branche mit On-Demand-Fashion agieren: Kleidung wird erst produziert, wenn sie bestellt ist.
Das Problem der Überproduktion
Fast-Fashion-Marken bringen bis zu 52 „Micro-Seasons“ pro Jahr heraus – eine neue Kollektion wöchentlich. Kein Wunder, dass die produzierten Kleidungsstücke laut Greenpeace von 2000 bis 2014 verdoppelt wurden: 2014 über 100 Milliarden, 2019 bereits 183 Milliarden.
Nicht alles findet Abnehmer: Ein Viertel bleibt unverkauft. Hinzu kommt Produktionsverschnitt, der selten recycelt wird. Jede Sekunde landet eine LKW-Ladung Textilien im Müll oder in der Verbrennung – ungtragen.
Mehr Kleidung als nötig zu produzieren trägt zu massiven CO₂-Emissionen, Ressourcenverschwendung und Umweltverschmutzung bei:
- Die Modebranche verursacht ca. 10 % der globalen CO₂-Emissionen – mehr als Luft- und Schifffahrt zusammen.
- Fast jeder Schritt hängt von fossilen Brennstoffen ab. Synthetische Fasern aus Erdöl boomen, und globale Lieferketten erzeugen lange Transportwege.
- Textilproduktion frisst Ressourcen: 2015 waren es 79 Milliarden Kubikmeter Wasser. Ein Baumwoll-T-Shirt benötigt 2.700 Liter – wie ein Mensch sie in 2,5 Jahren trinkt.
- Über 6.500 Chemikalien, viele giftig oder krebserregend, verschmutzen Gewässer in Ländern wie Indien, Pakistan und Bangladesch.
On-Demand-Fashion: So funktioniert das Konzept
Produktion „für die Tonne“ verschwendet Wasser, Land und stößt unnötige Treibhausgase aus. On-Demand-Fashion produziert nur auf Nachfrage und schrumpft so den ökologischen Fußabdruck.
So läuft es typischerweise:
- Das Unternehmen limitiert die Stückzahl eines Designs, z. B. aus Reststoffen.
- Das Produkt geht vor Produktion in den Verkauf.
- Bei begrenzter Auflage gibt es nicht für alle genug.
- Nach vollständigem Verkauf startet die Fertigung.
- Lieferung dauert Wochen bis Monate.
- Retouren gehen an Wartelisten-Kunden.
Käufer erhalten exklusive, individuelle Stücke statt Massenware – das stärkt die Bindung und reduziert privaten Textilmüll.
On-Demand-Schuhe von Alohas
Alohas produziert Schuhe handwerklich in Spanien auf Bestellung. Statt Saisonend-Sales gibt es Rabatte bei Vorbestellung: Frühe Birdies sparen mehr, spätere zahlen voll. So plant das Label präzise und minimiert Überproduktion.
Was On-Demand-Fashion mit Ultra-Fast-Fashion gemein hat
On-Demand-Fashion ist nicht per se nachhaltig. Giganten wie Shein und Boohoo nutzen es als Ultra-Fast-Fashion, um Trends profitabel zu skalieren.
Laut Deutsche Welle scannen sie Trends via KI auf Social Media. Kleine Testauflagen oder virtuelle Designs testen Nachfrage anhand von Klicks und Käufen. Beliebte Modelle werden hochskaliert.
Diese nachfragegetriebene Produktion ist kaum besser als klassische Überproduktion – beide schüren Konsum nach billiger Wegwerfmode.
On-Demand-Fashion wirkt nur, mit hochwertigen, ökologischen Materialien, fairer Produktion und ohne Massenkonsum-Anreize.