Die Faszination für Gold hält an: Niti Aayog empfiehlt Erweiterung des Marktes für goldbasierte Finanzprodukte

Indiens Leidenschaft für Gold ist legendär. Wir tragen es, verschenken es und hortensieren es. Götter und Göttinnen werden mit dem gelben Metall assoziiert, und religiöse Institutionen sind reich beschenkt. Indische Tempel lagern schätzungsweise 4.000 Tonnen Gold, während Haushalte 25.000 bis 30.000 Tonnen besitzen. Bei Festen wie Pujas, Hochzeiten oder Geburtstagen ist Goldkauf oder -geschenk ein kultureller Standard. Selbst arme Bräute verlassen das Elternhaus nicht ohne ein goldenes Schmuckstück. Dank dieser Tradition ist Indien der zweitgrößte Goldkonsument weltweit. Trotz hoher Preise bleibt die Nachfrage stark. Die dunkle Seite des Handels – der Graumarkt – sorgt für anhaltende Debatten in Wirtschaft und Politik. Über 300.000 Juweliere bedienen die Nachfrage landesweit. Nach der Pandemie erholt sich der Konsum, was die Regierung zu einer Überprüfung der Steuerstruktur motiviert.

Goldene Traditionen und die graue Realität
Der Verbrauchermarkt blüht, doch Schattenseiten existieren. Indiens Goldliebe nährt einen erheblichen Graumarkt. Laut World Gold Council (WGC) werden jährlich 100–120 Tonnen geschmuggelt, eine kanadische NGO namens IMPACT schätzt sogar 200–225 Tonnen – fast 25 % des gesamten Imports! Hauptquellen sind Naher-Osten-Länder (bis 75 %). Die Pandemie verschob Routen: Weniger Flüge, mehr Land- und Seewege. Myanmar avanciert zum Hotspot. Der Jahresbericht des Directorate of Revenue Intelligence (DRI) meldet für 2020–21 Schmuggelware im Wert von 1.200 Crore Rupien; zwei Drittel (ca. 240 kg) aus Myanmar. Weitere Wege führen über Sri Lanka, Thailand, Nepal, Bangladesch und Pakistan. Das Ausmaß ist unklar, doch bis zu 200 Tonnen erreichen Verbraucher über inoffizielle Kanäle. Niedrigere Zölle könnten den Staatshaushalt stärken.
Hohe Steuern schaden mehr, als sie nützen
Hohe Abgaben auf Gold wirken kontraproduktiv und pushen den Graumarkt. Die Branche verliert jährlich über 1,3 Milliarden US-Dollar. Im Niti-Aayog-Bericht „Transforming India’s Gold Market“ heißt es: Hohe Einfuhrzölle fördern das illegale Geschäft massiv. Die Preisdifferenz zwischen offiziellem (Banken-) und grauem Gold schadet Herstellern, Händlern, Importeuren und Raffinerien. „Ein niedrigerer Basiszoll (BCD) würde den Graumarkt unattraktiv machen. Der Zoll auf Gold sollte gesenkt werden“, fordert der Bericht. Rund 300.000 Juweliere operieren oft inoffiziell; 80 % des Marktes gelten als grau (CII-Bericht, Dez. 2020). Ein effektiver Steuersatz von unter 15 % (inkl. Zölle, Agrarabgaben, GST) begünstigt Schmuggel. „Kunden sollten immer eine Rechnung verlangen. Unsere Mitarbeiter schulen dazu“, betont MP Ahammed, Chairman der Malabar Gold & Diamonds Group.

Staaten verlieren Steuereinnahmen
Tamil Nadu, Kerala, Andhra Pradesh und Punjab führen im Goldverbrauch. Ihre Steuereinnahmen sinken durch Schmuggel. NSSO-Daten: Pro-Kopf-Ausgaben für Goldschmuck Rs 208,55 monatlich ländlich, Rs 189,95 städtisch. Kerala ist „God’s Own Country – und Gold’s Own Country“. Andhra Pradesh und Telangana verlieren schätzungsweise Rs 800–1.000 Crore durch Schmuggel und Steuerhinterziehung.
Zukunft: Digitales Gold als Lösung?
Banken und Plattformen werben für digitales Gold. Ab 1 Rupie kaufbar, rein online – für Transparenz und Nachverfolgbarkeit. Große Ketten bieten Online-Schmuck, doch die Mentalität muss sich ändern. Junge Käufer sind offen, Ältere (große Käufer) zögern. Digitalisierung unterstützt HUID (Hallmark Unique ID, seit 2021). Niedrigere Steuern würden Industrie und Verbraucher entlasten, Compliance steigern und Einnahmen mehren. „Digitales Gold als gleichwertiges Finanzinstrument etablieren“, rät CII (Economy Matters, Dez. 2020).



