Bei 'grausamkeitsfreiem' Make-up denken viele zuerst an Tierversuche, doch tierversuchsfreie Beauty-Produkte umfassen weit mehr: vom Testen der Formeln bis hin zum Abbau der Mineralien, die unseren Lieblingsschatten und Rouges diesen unwiderstehlichen Glanz verleihen. Die Beauty-Branche ist nicht immer transparent – das wissen wir seit Langem. Als das Glimmer-Problem ans Licht kam, reagierten Unternehmen rasch mit Berichten und Initiativen, die Licht ins Dunkel brachten.
Trotz erster Fortschritte ist das Glimmer-Problem jedoch keineswegs gelöst. Branchenexperten setzen nun stärker als je zuvor auf Maßnahmen.
Zur Erinnerung: Was ist das Glimmer-Problem?
Glimmer, auch Mica genannt, sorgt für den funkelnden Effekt in Eyeshadows und Highlightern. Es ist eine sichere, beliebte Zutat in cleanen Formeln. Doch die Beschaffung ist problematisch: Glimmer stammt meist aus sozial benachteiligten Regionen mit schlechten Arbeitsbedingungen, unzureichender Lohnzahlung und leider auch Kinderarbeit.
'Mica gehört zu den schwierigsten Lieferketten, die nachzuverfolgen sind', erklärt Gregg Renfrew, Gründerin und CEO von Beautycounter, gegenüber mbg. 'Viele Firmen stützen sich auf Zertifikate, die 'frei von Kinderarbeit' versprechen. Wer die Minen jedoch selbst besucht, erkennt: Die gesamte Branche fehlt es an Rückverfolgbarkeit.'
Renfrew kritisiert, dass Zertifikate oft oberflächlich sind. Für echte Verantwortung braucht es umfassende Untersuchungen – genau das zeigt Beautycounters neue Dokumentation.
Beautycounter prüft seine Lieferkette durch Audits vor Ort in den Minen, um ethische Standards aus erster Hand zu überprüfen. Kleinere Marken ohne Ressourcen dazu empfiehlt die Firma mindestens telefonische Checks.
Der aktuelle Stand
Viele Medien haben das Thema aufgegriffen und Transparenz gefördert. Marken wie Aether Beauty und ColourPop beziehen ethisch aus Japan, Europa, Malaysia oder den USA. Glossier kooperiert seit 2017 nur mit Partnern ethischer Praktiken – siehe ihren Verhaltenskodex für Produkte wie Gen G und Haloscope.
Große Konzerne wie L'Oréal, Estée Lauder und Coty sind der Responsible Mica Initiative (RMI) beigetreten, die Kinderarbeit in indischen Bundesstaaten Jharkhand und Bihar bekämpft. Ziel: Eine nachhaltige Lieferkette bis 2022. Credo Beauty schloss sich kürzlich an, um 100 % saubere Standards zu erreichen.
Manche Marken verzichten ganz auf Glimmer: Lush Cosmetics tauschte es gegen synthetische Alternativen aus laborgerechtem Glanz. Milk Makeup setzt ebenfalls auf diese saubere Variante.
Was können Verbraucher tun?
Wir können Druck ausüben – für Transparenz und strengere Regeln. Beautycounter rät: Senden Sie 'MICA' an 52886, um Politiker zu mobilisieren. Fragen Sie Ihre Marken per E-Mail nach nachhaltigem Glimmer. Solche Anfragen liefern oft Insider-Infos, wie Reddit-Threads mit Screenshots zeigen.
Renfrew ist optimistisch: 'Verbraucher haben Schokolade und Kaffee ethisch verändert – das schafft auch hier Transparenz und Würde im Glimmerabbau.'
Transparenz für unsere schimmernden Produkte ist längst überfällig.