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Cottagecore: Echtes nachhaltiges Landleben oder reiner Lifestyle-Trend?

Auf Social Media überschwemmen unzählige Beiträge die Feeds, die ein romantisches Idyll auf dem Land zelebrieren. Doch was verbirgt sich wirklich hinter Cottagecore?

Cottagecore verkörpert die Sehnsucht nach einem unkomplizierten Leben fernab vom Stadtstress – direkt inmitten der Natur.

Der Hashtag tauchte 2018 verstärkt auf Plattformen wie Instagram und TikTok auf, doch die Pandemie katapultierte den Trend endgültig in den Mainstream. Viele Stadtbewohner träumen von Abgeschiedenheit ohne Infektionsrisiken, mit ausreichend Raum für eigenen Gemüseanbau. Sogar Taylor Swift widmete sich dem Thema in ihrem Musikvideo zu „Willow“ Ende 2020, wo sie in rustikaler Kleidung durch einen verwunschenen Wald streift.

Der Trend romantisiert das ländliche Leben mit Fokus auf Handwerk, Gärtnern und tiefer Naturverbundenheit.

Aber ist Cottagecore tatsächlich nachhaltig oder nur ein flüchtiger Internet-Hype?

Was ist Cottagecore genau?

Der Begriff kombiniert „Cottage“ (kleines Landhaus) mit „-core“ aus „Hardcore“ – quasi „Landleben pur“. Auf Pinterest, TikTok und Instagram dominieren Bilder von romantischen Gärten mit schweren Obstbäumen, rustikalen Holzküchen und Frauen in verspielten Kleidern beim Handarbeiten.

Cottagecore ist kein Neues: Bereits in der Renaissance (15.–16. Jahrhundert) entdeckten Künstler die Natur neu und revivierten antike Motive. Dichter wie William Shakespeare und Christopher Marlowe schwärmten vom einfachen Leben abseits der Gesellschaft. Henry David Thoreau schilderte 1854 in „Walden“ sein einsames Dasein in einer Blockhütte – ein Werk, das Cottagecore-Fans häufig zitieren.

Wie nachhaltig ist Cottagecore wirklich?

Eigenen Gemüseanbau, Secondhand-Mode und Möbel sowie Kapitalismuskritik lassen Cottagecore auf den ersten Blick umweltfreundlich wirken. Viele Follower greifen zu traditionellen Methoden, vermeiden Verpackungsmüll und teilen Rezepte wie Brennnesseltee oder Wachstücher selbst herstellen.

Politisch verknüpft sich der Trend mit Antiglobalisierung: Selbstversorgung, Saisonalität und Regionalität stehen im Vordergrund. „Climate Anxiety“ und Frust am kapitalistischen Hamsterrad treiben viele an – Marmeladen einkochen, Kleider nähen oder Regale zimmern wird zum Motto.

Doch wie bei vielen Trends wird auch hier kommerzialisiert: Shops bieten Cottagecore-Artikel von Handyhüllen bis Deko wie Trockenblumen. Influencer fördern Konsum mit neuen Outfits – im Namen des einfachen Lebens.

Die Schattenseiten von Cottagecore

Kritik gibt es reichlich: Cottagecore zeigt meist junge Frauen in traditionellen Rollen – Backen, Stricken, Kindererziehung inmitten von Lavendel und Wäscherack. Dieses Frauenbild wirkt überholt, trotz nostalgischer Filter.

In den USA stößt der Trend auf Ressentiments, da er vorwiegend weiß betrieben wird. Die Romantisierung vor-bürgerkrieglicher Zeiten ignoriert Sklaverei und Kolonialismus; People of Color zogen damals in Städte, um Arbeit zu finden. Solche Idealisierungen bergen patriotische und rassistische Untertöne, mit historischen Echos bis hin zum Faschismus.

Zudem erfordert der Lifestyle Privilegien: Wenige leisten sich ein Cottage am Waldrand. Und echtes Landleben? Picknicks auf Feldern sind für Bauern utopisch.

Cottagecore individuell gestalten

Glücklicherweise diversifiziert sich der Trend: Queere Jugendliche reinterpretieren Häkeln oder Backen queer. Die Community wird zu einem safe space. Accounts wie CottagecoreBlackFolks zeigen, dass Landsehnsucht universal ist. Asiatische Einflüsse via Studio-Ghibli-Filme bereichern die Ästhetik.

Cottagecore hat Stärken und Schwächen – letztlich definieren Sie es. Eine nachhaltige Variante kann entstehen, wenn Sie Normen hinterfragen und Konsum meiden.