Mica, auch bekannt als Glimmer, ist eine Gruppe schillernder Minerale, die in Kosmetik für den Glitzereffekt sorgt. Leider geht mit der Gewinnung in vielen Ländern oft Kinderarbeit einher – ein Fakt, den Experten wie terre des hommes seit Jahren dokumentieren.
Diese natürlichen Minerale finden sich in Gesteinen wie Granit, Sandstein und Marmor. Der Name stammt aus dem Lateinischen und bedeutet "glänzen" oder "glitzern". Zu den häufigsten Typen zählen Muscovit, Phlogopit, Biotit, Damourit, Alurgit, Annit, Gilbertit, Mariposit und Fuchsit. Weltweit wird Mica in 35 Ländern abgebaut, mit Madagaskar und Indien als größte Exporteure, gefolgt von China und Brasilien.
Verwendung von Mica in Alltag und Kosmetik
Mica ist vor allem in Kosmetik beliebt, wo es Glanz erzeugt und UV-Schutz bietet. Es steckt in Rouge, Puder, Lippenstiften, Lidschatten, Nagellacken und sogar Karnevalsschminke. Auch Kinderprodukte wie Badeseife, Duschgel oder Zahnpasta können es enthalten – erkennbar an der INCI-Nummer CI 77019.
Außerdem wird Mica in Autos, Smartphones, Computern, Haushaltsgeräten, Farben und Lacken eingesetzt: als Isolator für Hitze und Strom, Füllstoff oder für schimmernde Effekte.
Warum Mica ethisch problematisch ist
Der Abbau, vor allem in Indien und China, erfolgt oft unter ausbeuterischen Bedingungen. Eine Studie von terre des hommes offenbart: Bis zu 22.000 Kinder arbeiten in indischen Mica-Minen, die meist illegal sind. Mineneinbrüche fordern regelmäßig Todesopfer, auch unter Kindern. Die Pandemie hat die Situation verschärft.
Die jüngsten Arbeiter sind erst vier Jahre alt und helfen ihren Eltern. Ohne Betreuung nehmen Mütter Babys mit in die Gefahrenzone. Kinder schuften bis zu 12 Stunden in Löchern bis 20 Meter Tiefe, graben oder sortieren Mica.
Die Folgen sind gravierend: Atemwegserkrankungen, Staublunge, Schnittwunden, Dehydration, Unterernährung, Anämie und Infektionen wie Tuberkulose. Armut zwingt Familien, Kinder aus der Schule zu holen – für Hungerlöhne. Gesetze verbieten Kinderarbeit unter 18, doch illegale Minen entziehen sich Kontrollen.
Corona verschärft das Kinderarbeitsproblem
Seit der Pandemie stieg die Kinderzahl in Bihar und Jharkhand. Lockdowns schlossen Schulen, Schulspeisungen entfielen, Tagelöhner verloren Einkommen. Familien sanken unter die Armutsgrenze von 1,90 Dollar pro Tag. Eine Besserung ist nicht absehbar.
Initiativen gegen Kinderarbeit bei Mica
Unternehmen wie H&M, L’Oréal, Merck, BASF und Sephora haben sich der Responsible Mica Initiative (RMI) angeschlossen – terre des hommes ist dabei. Ziel: Bis 2023 nur legalen Mica kaufen, Transparenz schaffen und Standards durchsetzen.
Erste Erfolge im Kampf gegen illegalen Abbau
Seit 2022 baut die Jharkhand State Mineral Development Corporation (JSMDC) ein offizielles System auf, nach RMI-Empfehlungen. Im Juni 2020 legte die RMI das "Jharkhand Sustainable Mica Policy Framework" vor. Eine Empfehlung wurde 2022 umgesetzt; weitere betreffen Abfall und legale Modelle. Der National Forest Conservation Act 1980 machte Abbau illegal, doch Armut schuf Schwarzmärkte.
Alternativen zu Mica finden
Bis Verbesserungen greifen, meiden Sie Mica. Tipps:
- Prüfen Sie die Zutatenliste: INCI CI 77019 signalisiert Mica – Herkunft bleibt unsichtbar.
- Mica in konventioneller und Naturkosmetik; kein Sozialsiegel kontrolliert es.
- Wählen Sie pflanzliche Glitzer wie Zellulose (z. B. bei Avocadostore oder Amazon) oder Bio-Kunststoffe – letztere nicht immer umweltfreundlich.
- Suchen Sie RMI-Mitglieder.
Fazit: Initiativen laufen, doch Garantien fehlen. Verzichten Sie auf Mica oder wählen Sie Alternativen für ethische Kosmetik.
Handeln Sie: Fragen Sie nach!
Terre des hommes appelliert: Kontaktieren Sie Hersteller per Formular oder Social Media. Fragen Sie: Enthält das Produkt Mica? Woher stammt es? Keine Kinderarbeit? RMI-Mitglied?