Die textile Kette umfasst den gesamten Lebenszyklus eines Kleidungsstücks – von der Faserproduktion bis hin zur Entsorgung. An zahlreichen Stellen bietet sie Potenzial für mehr Nachhaltigkeit.
Bevor ein T-Shirt oder eine Jeans Ihren Kleiderschrank erreicht, durchläuft es vielfältige Produktionsphasen:
- Zuerst erfolgt die Fasererzeugung.
- Das fertige Produkt erreicht den Handel und letztlich Sie als Konsument:in.
- Nach der Nutzungphase wird es verwertet oder entsorgt.
Diese Prozesse von der Faser bis zur Entsorgung bilden die textile Kette.
Früher fand die gesamte Textilproduktion oft in einem Land statt. In Deutschland war es üblich, Hanf oder Flachs anzubauen, Fasern zu gewinnen, daraus Garn und Stoffe herzustellen und Kleider zu schneidern.
Heute ist die textile Kette global vernetzt. Hersteller haben Produktionen in Länder des Globalen Südens verlagert, wo Kosten niedriger und Sozial- sowie Umweltstandards oft schwächer sind. Dies macht die Kette komplexer: Für ein einfaches weißes Herrenhemd sind weltweit etwa 140 Unternehmen involviert.
Entlang dieser Kette entstehen Umwelt-, Klimaschäden und Belastungen für Arbeiter:innen. Nachhaltigkeitsinitiativen müssen daher alle Phasen umfassen.
Schritt 1: Fasererzeugung
Ein T-Shirt beginnt typischerweise als Baumwollsamen. Baumwolle macht ein Viertel der globalen Faserproduktion aus und ist ein Standardmaterial in der Textilbranche.
Baumwollbauern bereiten Felder vor, säen Saatgut, wässern Pflanzen, schützen vor Schädlingen und ernten. Konventioneller Anbau verbraucht enorme Wassermengen und chemisch-synthetische Pestizide, was Gesundheitsrisiken für Arbeiter:innen birgt. Zudem fehlen oft faire Löhne, Kinder- und Zwangsarbeit sind verbreitet. Mehr dazu: Bio-Baumwolle ➤ 10 Fakten, die du kennen solltest.
Synthetische Fasern wie Polyester, Polyacryl, Nylon, Elasthan oder Acetat (Kunstseide) basieren auf Erdöl. Deren Förderung zerstört Natur und verdrängt Menschen und Tiere.
Schritt 2: Textilerzeugung
Aus Fasern wird durch Spinnen Garn erzeugt, daraus durch Weben, Stricken oder Filzen Stoffe. In Südindien arbeiten laut WDR-Doku Frauen und Mädchen 14 Stunden täglich für Hungerlöhne unter „moderner Sklavenarbeit“.
Rohfasern werden gereinigt – energie- und chemikalienintensiv. Faserstaub schadet der Gesundheit. Synthetikfasern entstehen durch Schmelzspinnen: Erhitztes Polymer wird zu Endlosfäden gesponnen.
Schritt 3: Textilveredelung
Hier erhalten Textilien ihre Eigenschaften durch chemische, mechanische und thermische Prozesse. Vorbehandlungen umfassen Waschen, Bleichen, Mercerisieren, Beizen, Dämpfen und Bügeln.
Danach Färben, Bedrucken, Imprägnieren oder Ausrüstungen für Knitterfestigkeit oder Weichheit. Manche erhalten Kunststoffbeschichtungen. Von über 6.500 Chemikalien sind viele giftig oder krebserregend. In Indien, Pakistan und Bangladesch werden Abwässer oft ungereinigt entsorgt, was Arbeiter:innen, Träger:innen und Umwelt schädigt (Quelle: Quarks).
Schritt 4: Konfektionierung
Stoffe werden zugeschnitten und genäht. In Asien herrschen oft menschenunwürdige Bedingungen: In Bangladesch verdienen Näher:innen ca. 9,50 Euro monatlich (2017), ausgesetzt Misshandlungen. Die Pandemie verschärfte dies; Clean Clothes Campaign meldet 12 Milliarden US-Dollar entgangene Löhne (2020/21) in Sweatshops.
Schritt 5: Endprodukt und Nutzung
Aus dem Samen ist ein T-Shirt geworden, das in den Handel gelangt. Deutschland importiert 90 % der Bekleidung aus China, Bangladesch, Indien, Türkei (Quarks). Längere Transportwege erhöhen CO₂-Emissionen.
Nutzung und Pflege beeinflussen die Bilanz: Heiße, häufige Wäsche steigert CO₂. Mehr: Wie oft sollte man Wäsche waschen?
Schritt 6: Entsorgung und Verwertung
Längere Nutzung verbessert die CO₂-Bilanz, doch Fast Fashion fördert Wegwerfmentalität. Nur 10 % Altkleider erreichen Bedürftige, 40 % werden exportiert (oft überflüssig). 50 % gehen ans Recycling für Dämmstoffe etc., Rest verbrannt. Mischgewebe erschweren Recycling. Mehr: Fast-Fashion-Friedhof: 200 Tonnen Altkleider pro Tag landen in diesem Fluss.
Wie wird die textile Kette nachhaltiger?
Die Kette spannt sich über Kontinente mit Ressourcenverbrauch und Schäden. Verbesserungen in allen Phasen sind essenziell: Bio-Baumwolle spart Wasser und Pestizide. Besserer Abwasser-Monitoring und Chemikalienkontrolle.
Konsument:innen wählen Siegel wie:
- Die wichtigsten Siegel für Kleidung ohne Gift: bluesign, GOTS, Öko-Tex & Co.
- Fairtrade Textile Production: Siegel für faire Textilien
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